Früherkennung

Ein Sinnesorgan, das nichts vergisst

Von Svenja Runciman · 2016

Ob Lärm, Stress oder das Alter – es gibt viele Gründe, warum das Hörvermögen eingeschränkt sein kann. Eine beginnende Hörminderung wird von vielen Betroffenen erst gar nicht wahrgenommen und deren erste Symptome gerne mal auf die leichte Schulter genommen. Wann es Zeit ist, einen Fachmann aufzusuchen und warum Wattestäbchen ein No-Go sind.

kann man plötzlich den Gesprächen nicht mehr folgen: Abnehmendes Hörvermögen bringt Einschränkungen der Lebensqualität mit sich. Mehr als 500 Millionen Menschen weltweit leiden unter einer Hörminderung, die bei neun von zehn Betroffenen auf das Altern zurückzuführen ist: Ab einem Alter von 40 Jahren nimmt das Hörvermögen bei fast jedem Menschen allmählich ab. Rund 85 Prozent der Betroffenen leiden unter einem Verständlichkeitsverlust, 15 Prozent nehmen Geräusche oder Gespräche zu leise wahr. Da die meisten Hörprobleme nur langsam fortschreitend auftreten, nehmen Betroffene sie häufig über Jahre hinweg nicht wahr.

Das Ohr macht sich bemerkbar

Doch es gibt durchaus erste Warnsignale für einen Hörschaden: nämlich Ohrgeräusche. Fast jeder von uns hat schon mal diese Erfahrung gemacht: Die Ohren pfeifen oder klingeln, nachdem man zum Beispiel gerade eine laute Baustelle passiert hat oder nach dem Besuch eines lauten Konzerts. Diese Ohrgeräusche sind Anzeichen eines geringfügig verminderten Hörvermögens, das sich im Laufe der Zeit verschlechtern kann. Das Ohr kann sich zwar recht gut selbst regenerieren, Restschäden bleiben und summieren sich jedoch. Deshalb sollte man „Dinge“, die auf die Ohren schlagen, vermeiden und bei Auffälligkeiten frühzeitig einen Arzt oder Hörgeräteakustiker aufsuchen, um Folgeschäden zu vermeiden.

Inspektion der Lauscher

Wer Glück hat, bekommt vom HNO-Arzt die Diagnose: zu viel Ohrenschmalz im Gehörgang. Den Pfropfen im Ohr kann der Fachmann leicht entfernen. Den Hinweis, keine Wattestäbchen zu benutzen, gibt es in der Regel gratis dazu. Denn diese können das empfindliche Trommelfell verletzen und fördern sogar die Bildung von Pfropfen, welche wiederum auch das Risiko für Infektionen erhöhen. Übrigens: Angehäuftes Ohrenschmalz ist auch bei Hörgeräteträgern in bis zu 70 Prozent der Fälle für Funktionsstörungen verantwortlich. Ist diese Ursache ausgeschlossen, kann der HNO-Arzt eine Hörminderung, die häufig in den höheren Frequenzbereichen auftritt, mit einem Tonschwellenaudiogramm einfach diagnostizieren und einordnen. Weitere Tests und gegebenenfalls bildgebende Verfahren geben Hinweise auf die Ursachen. Hörschäden können nicht durch die simple Einnahme einer Pille wieder rückgängig gemacht werden. Für ein wieder besseres Hören sorgen kleine und meist fast unsichtbare Hörgeräte. Sie gleichen Hörschäden bis zu einem bestimmten Schweregrad aus. In den vergangenen Jahren wurde nicht nur das Design deutlich verbessert, sondern auch die Funktionalität und Klangqualität der Geräte immer weiter entwickelt.