Hörimplantate

Ein Weg aus der Stille

Von Mark Krüger · 2016

Wenn konventionelle Hörgeräte nicht oder nicht mehr helfen, können Gehörlose oder sogar taube Menschen mit einem Cochlea-Implantat das Hörvermögen wiedererlangen, da die „künstliche Hörschnecke“ die Funktion der beschädigten Teile im Innenohr übernimmt. Allerdings eignet sich das Wunder der Technik nicht für jeden.

Für manche von einer Hörminderung Betroffene sind selbst leistungsfähigste Hörgeräte nicht mehr ausreichend. Warum ist das so? Die akustischen Empfänger nehmen den am Ohr ankommenden Schall auf, verarbeiten ihn und geben ihn verstärkt in den Gehörgang ab. Wenn der Schall jedoch im Innenohr gar nicht mehr in bioelektrische Signale umgewandelt werden kann, dann hilft auch ein erhöhter Schallpegel nicht weiter. Aus Frust benutzen viele ein Hörgerät gar nicht mehr, was zu sozialer Isolation und folglich psychischen Erkrankungen führen kann. Die Lösung sind Cochlea-Implantate. Sie sind im Gegensatz zu Hörgeräten nicht auf die Umwandlung des Schalls angewiesen, sondern stimulieren den Hörnerv direkt mit elektrischen Impulsen.

Der Hörnerv muss intakt sein

Das Cochlea-Implantat besteht aus zwei Teilen: Das Implantat selbst wird operativ in das Ohr eingesetzt, der Sprachprozessor mit Sendespule und Batterie wird hingegen wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen. Die Verbindung zur Sendespule wird über einen Magneten am Kopf hergestellt. Da Cochlea-Implantate den Schall direkt an den Hörnerv weiterleiten, sind sie unabhängig vom Innenohr. Grundsätzlich können sie sowohl gehörlos geborenen Kindern helfen als auch Menschen jeden Alters, deren Hörschädigung im Laufe des Lebens stärker geworden ist. Es gibt jedoch einige Grundvoraussetzungen für das Einsetzen des Implantats. So ist unerlässlich für die Funktion, dass Hörnerv und Hörbahn noch intakt sind. Es ist auch nur für Patienten empfehlenswert, deren Hörverständnis trotz Hörgerät unter 50 Prozent liegt. Ansonsten bringt das Implantat keine zusätzliche Verbesserung. 

Mit neuen Sinneseindrücken umgehen lernen

Das Einsetzen der Innenohr-Prothese erfolgt mittlerweile noch exakter: Ein neuartiges Röntgengerät, ein so genannter digitaler Volumentomograph, verfügt über eine dreimal bessere Auflösung. Die Bilder vom Inneren des Organs geben Aufschluss über anatomische Gegebenheiten und die beste Position für das Implantat. Außerdem ist für den Arzt erkennbar, wie das Implantat am besten ins Innenohr eingeführt werden kann, ohne dass Blutgefäße verletzt werden. Auch wenn der Eingriff selbst relativ unkompliziert ist, muss der Patient im Anschluss mit Unterstützung von Audiologen und Therapeuten erst lernen, mit den neuen Sinneseindrücken umzugehen und sich an den ungewohnten Klang zu gewöhnen. Doch was bedeutet schon ein kleiner Eingriff und ein bisschen Training, wenn man im Gegenzug endlich wieder hören und aktiv am Leben teilnehmen kann.