Brillengläser

Hightech auf der Nase

Von Tobias Lemser · 2014

Ob bei Kurz- oder Weitsichtigkeit: Mit den passenden Gläsern lassen sich beinahe alle Sehschwächen ausgleichen. Gleitsichtbrillen aus Kunststoff punkten dabei auf ganz besondere Weise. Neueste Modelle sind nicht nur filigran, sondern sorgen für ein verbessertes Seherlebnis im Nah- und Fernbereich.

Irgendwann ist es soweit: Egal, wie weit weg man die Zeitung auch hält, verschwimmen die Buchstaben vor dem Auge. Spätestens dann ist eine Sehhilfe unumgänglich. Klassiker, und hierzulande für die meisten erste Wahl, ist die Brille: Rund 40 Millionen Erwachsene nutzen sie, um Sehschwächen auszugleichen. Generell können Brillenträger zwischen Ein- und Mehrstärkengläsern wählen. Einstärkengläser sind in der Lage – egal, ob eine Kurz- oder Weitsichtigkeit vorliegt –, das Sehen für einen bestimmten Entfernungsbereich bis maximal 40 Dioptrien zu korrigieren. Wer lediglich beim Lesen eine Sehschwäche hat, für den bietet sich eine Halbrandbrille an. 

Mehrere Sehbereiche vor Augen

Für Fehlsichtige, die sowohl eine Sehhilfe für die Ferne als auch für die Nähe benötigen und fortwährend beide Bereiche überblicken müssen, können Gläser mit verschieden geschliffenen Bereichen, wie etwa,  Bifokalgläser in Betracht kommen. Das Charakteristische laut Georg Pawlowski vom Zentralverband der Augenoptiker hierbei: „Während im unteren Brillenglasbereich die Lesezone eingearbeitet ist, besteht das restliche Brillenglas aus der Korrektion für die Ferne.“ Trifokalgläser bieten zudem einen dritten Sehbereich für mittlere Entfernungen. Bei beiden Mehrstärkengläsern sind die Trennlinien zwischen Nah- und Fernbereich erkennbar - ein entscheidender Unterschied zu Gleitsichtgläsern.

Fließende Übergänge garantiert

Gleitsichtgläser zeichnen sich insbesondere durch eine unsichtbare Übergangszone aus, in der die Korrektur stufenlos von oben nach unten von der Fern- in die Nahsicht übergeht. Lag bei früheren Gleitsichtgläsern der Schliff auf der Vorderseite des Brillenglases, befindet er sich bei modernen sogenannten Freiform-Gleitsichtgläsern auf der Innenseite. Größter Vorteil dieser Rückflächen-Progressiv-Gläser: Der wirksame Bereich der Brillengläser liegt näher am Auge und ermöglicht ein größeres Sichtfeld. Neben einem verbesserten Seherlebnis in allen Entfernungen punkten Gleitsichtgläser nicht nur optisch, auch entfallen Bildsprünge im Gesichtsfeld beziehungsweise das lästige Wechseln zwischen Lese- und Fernbrille. Zudem können nun auch Sportbrillen aus bruchsicherem Polycarbonat problemlos mit Progressiv-Gläsern ausgestattet werden, wenn die Brillenstärke zwischen -4,0 bis +4,0 Dioptrien liegt. 

Gleitende Sicht nach Maß

Um ungewollte Sehfehler, die bei der Korrektur entstehen können, bestmöglich einzuschränken, ist eine individuelle Beratung inklusive Maßanfertigung heutzutage unerlässlich. Nach Aussage von Giovanni Di Noto, Augenoptiker- und Hörgeräteakustiker-Meister aus Bückeburg, gilt es in der Beratung zu klären, wofür die Gläser vorrangig benötigt werden: „In die Berechnung des individuellen Gleitsichtglases fließen auch verschiedene Parameter, wie Fassungsform, Vorneigung, Kopfbewegung und der individuelle Leseabstand ein.“ In solchen Fällen werde sogar ein Zentriergerät mit eingebauter Kamera zur Ermittlung der persönlichen Sehgewohnheiten eingesetzt, um die einzelnen Sehzonen im Glas exakt zu bestimmen, so der Experte.
Gehören transparente Hartschichten gegen Kratzer und spezielle Beschichtungen gegen Schmutz und Beschlag zunehmend zum Standard, geht Di Noto zufolge der Trend zu Entspiegelungstechnologien mit zusätzlichen uv-Blockern: „Diese in das Glas integrierten Blocker verhindern, dass schädliche uv-Strahlen in die Makula beziehungsweise an die Augenlinse gelangen.“ 
Bei der Materialwahl ist Kunststoff gegenüber Mineralglas weiter klar tonangebend. Kunststoffgläser sind nicht nur bruchsicher und leicht, sondern lassen sich im Gegensatz zu mineralischen Gläsern bequem in einer großen Farbauswahl fertigen. In puncto Materialbeschaffenheit geht die Entwicklung nahtlos weiter. Brillengläser mit höchstelastischen, zugfesten Hi-
Index-Kunststoffmaterialien besitzen eine sogenannte asphärische Außenkurve und zeigen dadurch eine verbesserte Abbildung in der Peripherie und einen großen Sehbereich. Durch die spezielle Form wird nicht nur das Zeitunglesen besonders komfortabel, sondern auch die Brille selbst – angesichts ihrer extrem dünnen und ästhetischen Gläser – zum Hingucker.