Hilfsmittel für Seh- und Hörbehinderte

Mehr möglich machen

Von Pia Bohlig · 2017

Eine Blinde im Portrait. Mit diversen Hilfsmitteln meistern Seh- und Hörbehinderte nicht nur ihren Alltag – echte Teilhabe wird wieder möglich

Barrierefreiheit soll allen Menschen ermöglichen, sich privat und beruflich selbstständig und möglichst ohne Hilfe frei zu bewegen. Das schließt so wichtige Fähigkeiten wie Kommunikation sowie Sehen und Hören mit ein. Technologische Entwicklungen sind eine große Hilfe bei der Überwindung der Barrieren.

Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind dem Deutschen Gehörlosenbund zufolge taub, schwerhörig etwa 16 Millionen. REHADAT, ein Projekt des Bundesverbandes der Industrie und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, zählte 2015 gut 73.000 Blinde. Über 48.000 Deutsche waren hochgradig sehbehindert, mehr als 233.000 hatten eine sonstige Sehbehinderung. 

Grenzen in den eigenen vier Wänden

„Barrierefreiheit“ spielt seit den 1990er-Jahren Jahren eine immer größere Rolle. Was zunächst mit Städtebau und -planung begann, ist inzwischen zum Glück auch in Privatwohnungen angekommen. Auch Hör- und Sehbehinderte erleben ihre Grenzen schon in den eigenen vier Wänden, selbst wenn die baulich noch so barrierefrei sind. Wer als Hörbehinderter die „Heute-Show“ verstehen will, braucht Untertitel. Und wer als Blinder nachkochen möchte, was bei Fernsehkoch Ralf Zacherl im Kochtopf landet, ist zwingend auf eine Audiobeschreibung angewiesen.

Hilfe per innovativer Apps

Immerhin: Viele Zeitschriften bieten inzwischen Hörfassungen ihrer jeweiligen Ausgaben an, die man auf intelligenten Diktiergeräten komfortabel lesen kann. Und Hersteller von Computer-Betriebssystemen haben Seh- und Hörhilfen in ihre Software integriert. Apps für Smartphones und Tablets können das Leben mit Handicap angenehmer machen. Solche Apps lesen dem sehbehinderten Nutzer Texte vor, die er zuvor eingescannt hat.

Kochen wie ein Profi Dank Audiobeschreibung.

Andere vergrößern fotografierte Gegenstände oder Text und wieder andere beschreiben Gegenstände schriftlich oder wahlweise gesprochen. Gleichzeitig schicken sich digitale Sprachassistenten an, die Steuerung der Geräte im Smart Home zu übernehmen. Schon heute nutzen weltweit an die 400 Millionen Menschen ihre Dienste. 2018 rechnen Experten mit mehr als einer Milliarde Benutzer.

Grafik: Anzahl der Sehbehinderten in Deutschland. Quelle: Statistisches Bundesamt, 2017

Der Fortschritt öffnet Grenzen

Die Entwicklung macht dabei auch vor den bewährten technischen Helfern nicht Halt. Hörgeräte sind inzwischen so klein, dass man schon genau hinsehen muss, um sie zu entdecken. Mit Bluetooth ausgestattet, stellen sie eine direkte Verbindung zum Mobiltelefon, TV oder Computer her. Längst schon zum Segment der High-End-Geräte sind Diktiergeräte vorgestoßen. Klein und handlich passen sie in jede Hosentasche und bieten Aufnahmen in CD-Qualität. Mit intelligenten Filtern arbeiten Hörverstärker: Sie nehmen Geräusche auf, filtern Umgebungsgeräusche heraus und verstärken erwünschte Sprach- oder Musikanteile. Bliebe noch zu erwähnen die Miniaturkamera, die in Verbindung mit einem Taschencomputer für Sehbehinderte das Sehen übernimmt. Oder ein GPS-Navigationssystem mit Spracherkennung und ohne Bildschirm, dass direkt mit dem Hörnerv verbunden wird. Die Zukunft hat gerade erst begonnen. 

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