Hörimplantate

Kleine Helfer für schlechte Lauscher

Von Katja Müller · 2016

Im externen Bauteil des Cochlea-Implantats befindet sich das Mikrofon.

Unser Ohr verwandelt Schall in Nervenimpulse, die unser Gehirn anschließend entschlüsselt. Ist dieser Prozess gestört, nehmen wir Geräusche schlecht oder gar nicht wahr. Hörgeräte unterstützen viele Menschen, stoßen in manchen Fällen aber an ihre Grenzen. Bei sehr starker Hörminderung oder Gehörlosigkeit können Mittel- und Innenohr-Implantate helfen.

Wer Geräusche schlechter oder gar nicht mehr wahrnimmt, bekommt oft ein Hörgerät empfohlen. Dieses kann eine große Hilfe sein, indem es Schall aus der Umgebung aufnimmt, verstärkt und mittels eines Lautsprechers in das Ohr weiterleitet. Doch wenn die Schwerhörigkeit weit fortgeschritten ist, reicht diese Schallverstärkung oft nicht mehr aus. Zu Problemen kann es auch kommen, wenn etwa der Gehörgang chronisch entzündet ist, Geräusche trotz ausgezeichneter Arbeit des Gerätes verzerrt wahrgenommen werden oder eine Erkrankung der Hände das Einsetzen erschwert. In solchen Fällen kommen Hörimplantate als Alternative infrage. Die kleinen Hightech-Wunder können unter Umständen sogar bei ein- oder beidseitiger Taubheit helfen.

Implantate für das Mittel- oder Innenohr

Je nach Art der Hörminderung kommen unterschiedliche Varianten zum Einsatz. So eignet sich ein aktives Mittelohr-Implantat nicht bei Gehörlosigkeit, kann aber bei Schwerhörigen eine gute Wirkung erzielen. Es setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Ein meist außen am Kopf angebrachter Audio-Prozessor nimmt den Schall aus der Umgebung auf, wandelt ihn in ein elektrisches Signal um und sendet es an den in das Ohr eingepflanzten Empfänger. Dort versetzt die Technik die Gehörknöchelchenkette in Schwingungen, welche die Information so über das Innenohr und den Hörnerv an das Gehirn weiterleitet. Ist jedoch die Funktion des Innenohrs gestört, kann ein Cochlea-Implantat helfen. Es kann auch bei gehörlosen Menschen eine Wirkung erzielen, da es über direkt im Innenohr angebrachte Elektroden den Hörnerv reizt. Dieser muss daher intakt sein.

Auf die richtige Nachsorge achten

Die unterschiedlichen Systeme für Mittel- und Innenohr-Implantate werden stetig weiterentwickelt. So sind sie inzwischen kleiner als früher, leisten mehr und lassen sich teils sogar mit Smart­phone-Apps verbinden. Mit der Implantation allein ist es aber noch nicht getan. Denn immerhin handelt es sich um eine Operation, von der sich der Körper erholen muss. Viel hängt dabei von einer umfassenden, professionellen Rehabilitation ab. Gerade im Falle eines Cochlea-Implantats ist eine lebenslange Nachsorge notwendig. Denn vor allem diejenigen, deren Gehirn nicht oder nicht mehr weiß, was Geräusche bedeuten, müssen das Hören neu lernen. Unterstützung bekommen sie von Fachärzten, Audiologen und auch Selbsthilfegruppen.

Wussten Sie schon …?

  • Es gibt vier Hersteller von Cochlea-Implantat-Systemen.

  • Das Implantat eignet sich nur für Patienten mit einem gesunden Hörnerv.

  • Eine Liste der Kliniken, an denen das Cochlea-Implantat eingesetzt wird, kann bei der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e. V. (DCIG) angefordert werden.

  • Die Kosten für eine Cochlea-Implantat-Versorgung liegen laut DCIG einschließlich Rehabilitations-Maßnahmen bei rund 40.000 Euro. 

  • Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel übernommen. Die Finanzierung über Private Krankenversicherungen (PKV) ist oft Verhandlungssache.