Hilfsmittel für Schwerhörige

Mit Hightech durch den Alltag

Von Svenja Runciman · 2016

Hörgeräte werden immer unauffälliger und technisch ausgefeilter. Doch Menschen mit einer sehr starken Hörminderung oder Gehörlosigkeit brauchen oft mehr, um ganz Ohr und vor allem sicher leben zu können. So gibt es allerlei technische Gadgets, die zum Beispiel mittels Vibrationen und Lichtblitzen beim „Hören“ helfen.

Für Menschen mit einer starken Hörminderung sind viele Dinge des Alltags, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind, eine Herausforderung – sei es das Gespräch am Telefon, das Hören der Türklingel oder des Weckers oder der Besuch von Veranstaltungen. Inzwischen gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die den Alltag der Betroffenen deutlich erleichtern. Das sind nicht nur Hörgeräte der neuesten Generation, die sich via Smartphone-App steuern lassen. Auch technische Geräte und innovative Apps sorgen für mehr Lebensqualität und Sicherheit. So sind spezielle Wecker erhältlich, die nicht nur mit Lichtblitzen, sondern auch mit einem starken Vibrationskissen dafür sorgen, dass kein Termin mehr verschlafen wird. Einen ähnlichen Effekt haben Vibrationsanlagen, die an jedem handelsüblichen Lattenrost oder Sprungfederrahmen angebracht werden können. Auch Rauchmelder oder Türklingeln und Telefone sind mittlerweile mit optischen Signalen erhältlich. Die Kosten für diese Geräte werden häufig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ein Kugelschreiber, der beim Hören hilft

Insbesondere, wenn die Geräuschkulisse in der Umgebung groß ist, gestaltet sich das Verstehen trotz Hörgerät schwierig. Abhilfe können zum Beispiel kleine, sehr leistungsfähige Mikrofone schaffen, die heutzutage durch ihre Form – beispielweise in der Art eines eleganten Kugelschreibers – eher wie ein Lifestyle-Gadget daherkommen. Sie können in Kombination mit Hörgeräten oder auch mit Implantaten die Kommunikation deutlich verbessern, da sich das Mikrofon automatisch optimal einstellt und sich stetig an den Lärmpegel der Umgebung anpasst. Der eingebaute Bluetooth-Chip ermöglicht darüber hinaus die drahtlose Anbindung ans Mobiltelefon und überträgt beispielsweise auch den Fernsehton kabellos auf das Hörgerät des Anwenders. 

Barrierefreies Kino mit der Untertitel-App

Apropos Fernsehen. Nachrichten in Gebärdensprache oder Untertitel gibt es schon länger. Neuerdings sorgen Apps für das Smartphone dafür, dass auch der Kinobesuch für stark Schwerhörige oder Gehörlose möglich ist. Das kleine Programm speichert die Untertitel zu einzelnen Filmen und erkennt anhand der Geräusche, an welcher Stelle sich der Film befindet. So kann das gesprochene Wort bildgenau abgespielt werden. Der einzige Nachteil: Der Nutzer muss zwischen Leinwand und Bildschirm des Smartphones hin und her wechseln. In Zukunft sollen spezielle Datenbrillen die Untertitel direkt auf die Kinoleinwand projizieren. Ein Prototyp wurde bereits auf der diesjährigen CeBIT in Hannover vorgestellt.