Refraktiver Linsenaustausch

Kleine Operation besiegt den Grauen Star

Von Udo Böhlefeld · 2017

Ein Arzt operiert einen Patienten am Auge. Der refraktive Linsentausch verhilft Menschen, die von Grauem Star betroffen sind, zu neuem Sehvermögen
Die moderne Katarakt-Operation ist ein risikoarmer Routineeingriff.

Jeder zweite Deutsche über Sechzig leidet unter der Katarakt, auch Grauer Star genannt. Die Trübung der Augenlinse kann ohne ärztliche Behandlung zur Erblindung führen. Doch bietet ein relativ risikoarmer und weitgehend schmerzfreier operativer Eingriff große Aussicht auf Heilung.

Nicht der Singvogel stand Pate bei der Bezeichnung der Krankheit: Der Graue Star zeigt sich im fortgeschrittenen Stadium durch eine gräuliche Verfärbung hinter der Pupille. Von dieser Färbung leitet sich die Bezeichnung ab. Die Katarakt, zu deutsch Wasserfall, ist Teil des gewöhnlichen Älterwerdens. Im Laufe des Lebens wird die Augenlinse immer dicker, fester und trüber. Die Lage der Trübung auf der Linse entscheidet darüber, ob Nah- oder Fernsicht betroffen sind. 

Erhebliche Einschränkungen inklusive

Die Erkrankung verläuft meist schleichend über Jahrzehnte und wird deshalb nicht gleich wahrgenommen. Später verschwimmt die Umwelt vor den Augen, es kommt zu erheblichen Einschränkungen im Alltag. Sich mal eben für den Wochenendeinkauf ins Auto setzen oder ein Buch zu lesen, werden unmöglich. 

Der Graue Star wird in vier Stadien eingeteilt: Bei der beginnenden Linsentrübung ist die Sehschärfe noch passabel. Eine fortgeschrittene Trübung lässt den Arzt oft schon die Operation empfehlen. Kommt es zum reifen Star, ist die Augenlinse bereits komplett vernebelt, ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit einer Operation. Denn beim überreifen Grauen Star quillt die Linse allmählich auf und verflüssigt sich. Spätestens dann droht die Folgeerkrankung Grüner Star, die nicht mehr heilbar ist.

Refraktiver Linsenaustausch ohne Risiko

Die Operation am Grauen Star ist für erfahrene Augenchirurgen ein Eingriff ohne Risiko. Durch einen kleinen, nicht einmal drei Millimeter langen Schnitt, wird der getrübte Linsenkern mit Hilfe von Ultraschall oder einem Laser zerkleinert und abgesaugt. Anschließend wird eine künstliche Linse eingesetzt, die sich selbstständig entfaltet und im Auge verankert. Für die zuverlässige Schmerzfreiheit können neben einer Vollnarkose auch weniger belastende ambulante Betäubungen wie die Tropf- oder injizierte Lokalanästhesie sorgen. Der in der Augenmedizin so genannte „Refraktive Linsenaustausch“ dauert nur etwa 20 Minuten pro Auge und wird in Deutschland in großer Zahl ambulant ausgeführt. Bei 700.000 von insgesamt rund 800.000 Eingriffen im Jahr können die Patienten schon kurz nach der Operation nach Hause gehen und dort den Heilungsprozess abwarten. Gegebenenfalls kann nach ein paar Wochen die gleiche Operation am anderen Auge vorgenommen werden. Die Heilungschancen sind groß, bei 90 Prozent der Behandlungen wird eine Sehleistung von 50 bis 100 Prozent erreicht.

Wussten Sie schon, dass …

das Implantieren der Intraokularlinsen aus Kunststoff erst seit den 1990er Jahren praktiziert wird? Bis dahin wurden oft Vorderkammerlinsen aus Plexi­glas verwendet, was Hornhauttrübungen, Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhautmitte, Entzündungen und einen Druckanstieg nach sich ziehen konnte. Oder die Linse wurde gar nicht ersetzt, und die Patienten mussten die berüchtigte dicke Starbrille tragen.

Quelle: www.badische-zeitung.de, 2017

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