Altersweitsichtigkeit

Wenn Buchstaben ihre Konturen verlieren

Von Tobias Lemser · 2016

Nicht nur, dass die Leistungsfähigkeit unserer Augen stetig abnimmt, auch setzt ab dem 40. Lebensjahr schleichend die Altersweitsichtigkeit ein. Beim Zeitungslesen müssen wir den Arm mehr und mehr strecken und über kurz oder lang benötigen wir eine Sehhilfe. Ab dem 60. Lebensjahr kann sich aus der Erkrankung ein Grauer Star entwickeln, der zur Erblindung führen kann.

Viele fragen sich, ob sie sich vor einer Altersweitsichtigkeit schützen. Die Antwort lautet: Nein. Denn dass die Linse des menschlichen Auges mit den Jahren an Elastizität verliert und somit sich immer schlechter an verschiedene Entfernungen anpassen kann, lässt sich nicht verhindern. Früher oder später ist eine Sehhilfe nötig, um in der Nähe scharf sehen zu können. Wer ein Nachlassen der Sehschärfe – etwa beim Lesen eines Buches – bemerkt, sollte einen Optiker oder Augenarzt aufsuchen. Die Experten empfehlen die passenden Brillengläser – Stichwort Dioptrien-Zahl – und ein Mediziner kann andere Ursachen für das nachlassende Sehvermögen ausschließen. 

Künstliche Linsen als Alternative zum Lasern 

Das Tragen einer Brille ist nicht die einzige Option, eine altersbedingte Sehschwäche auszugleichen. Was bei anderen Sehfehlern wie etwa der Kurzsichtigkeit klappt, funktioniert auch bei der Altersweitsichtigkeit: das Lasern. Allerdings ist das verwendete Verfahren, das der Linse wieder ihre Elastizität zurückgeben soll, noch nicht lange auf dem Markt – Langzeitergebnisse fehlen. Eine Alternative ist das Einsetzen einer künstlichen Linse, der sogenannten Intraokularlinse. Das Verfahren ist weit verbreitet und kommt beispielsweise auch beim Grauen Star, im Fachjargon Katarakt genannt, zum Einsatz. Rund die Hälfte der Bevölkerung zwischen 52 und 64 Jahren ist vom Grauen Star betroffen, der unbehandelt zur Erblindung führt. Mögliche Risikofaktoren: erbliche Veranlagung, andere Augenerkrankungen, Diabetes mellitus, Nikotinkonsum oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen. 

Routineeingriff mit großer Wirkung

Mit jährlich rund 600.000 Eingriffen in Deutschland ist die Kataraktoperation die am häufigsten durchgeführte OP in der Augenheilkunde und die einzige effektive Maßnahme, um eine drohende Erblindung abzuwenden. Und so läuft die OP ab: Über einen rund drei Millimeter langen Schnitt wird die natürliche Linse in ihrem Kapselsack mithilfe von Ultraschall verflüssigt und entfernt. Anschließend setzt der Operateur hinter der Pupille eine neue Linse ein – entweder aus starrem Plexiglas oder aus flexiblen Acrylat oder Silikon. Innovative multifokale Intraokularlinsen beheben die Altersweitsichtigkeit, sodass nach dem Eingriff ein Leben ganz ohne Sehhilfe möglich ist. Da die altersbedingte Fehlsichtigkeit das Risiko für die Entwicklung eines Grauen Stars erhöht, ist mit dem Einsetzen dieser Linse die Gefahr gebannt.