Schwerhörigkeit im Alter

Neue Technik macht hellhörig

Von Sarah Schroth · 2021

Trotz Hörgeräten erleben viele Träger größere Menschenansammlungen als Herausforderung. Im Stimmenwirrwarr scheint es beinahe unmöglich, ein entspanntes Gespräch mit einer Person zu führen. Die Hörgeräte der Zukunft können Stimmen herausfiltern – und zwar mithilfe Künstlicher Intelligenz.

Ein Senior bei einem Hörtest
Mit einem Hörtest kann das Hörvermögen ganz einfach überprüft werden. Foto: iStock / peakSTOCK

Wenn das Gegenüber in lauter Umgebung zunehmend schwerer zu verstehen ist, dann ist es höchste Zeit für einen Hörtest beim Ohrenarzt oder Hörakustiker. Dort wird zuerst auf Hochton-Schwerhörigkeit getestet – eines der ersten Anzeichen, das meist um das 50. bis 60. Lebensjahrzehnt auftritt. Ab dem 65. Lebensjahr sind etwa 50 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen von der altersbedingten Schwerhörigkeit betroffen. Zwar handelt es sich um einen natürlichen Alterungsprozess, Risikofaktoren wie familiäre Veranlagung, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte sowie häufige Mittelohrentzündungen können aber auch eine Rolle spielen. 

Schwerhörigkeit im Alter: Behandlung kann Schutz vor anderen Erkrankungen bieten

Hörverluste sollten so früh wie möglich behandelt werden. Da die Hörminderung allerdings langsam fortschreitet, bleiben die Einschränkungen zunächst oft unbemerkt. Auch Schamgefühle oder Angst vor Stigmatisierung verzögern in vielen Fällen die Hörgeräteversorgung. Das kann schwerwiegende und langfristige Konsequenzen haben: Studien bestätigen einen Zusammenhang von Hörverlusten mit demenziellen und depressiven Entwicklungen. Durch die Hörminderung steigt zudem die Unsicherheit im Alltag. Sozialer Rückzug und Isolation können die Folgen sein. 

Gehirnwellen nutzen

Moderne Hörhilfen sind heute fast unsichtbar und wahre Hightech-Wunder. Sie arbeiten mit mehreren Mikrofonen gleichzeitig, um die Schallrichtung zu bestimmen. Integrierte Bluetooth-Funktionen erlauben die Kopplung an zusätzliche digitale Geräte, für die direkte Übertragung von Musik oder Sprache. Über das Smartphone kann die Programmauswahl gesteuert werden. Ein Nachteil von Hörgeräten ist, dass sie zwar Hintergrundgeräusche unterdrücken, aber es nicht ermöglichen, eine Stimme unter vielen hervorzuheben. Eine belgische Forschungsgruppe des Instituts für Neurowissenschaften der Katholischen Universität Leuven arbeitet zurzeit daran, dieses Problem mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) zu lösen. Sie ermöglicht, allein über Hirnstrommessungen die Hörrichtung zu bestimmen. Das System unterdrückt daraufhin Hintergrundgeräusche aus der anderen Richtung. Als Nächstes tüfteln die Forscher daran, die Messelektroden in Hörgeräte zu integrieren. Bis zur Marktreife dürften noch mindestens fünf Jahre vergehen.

Quellen:
www.schwerhoerigen-netz.de
KU Leuven: Neuro-Steered Hearing Devices​
Psylex.de: Depression und Schwerhörigkeit / Hörverlust​

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