Nachlassendes Seh- und Hörvermögen

Rasanter Fortschritt in allen Sparten

Von Alexandra Grossmann · 2018

Der Prozess beginnt meist schleichend und ist selten aufzuhalten: Millionen Menschen leiden darunter, dass sie schlecht hören oder sehen. Innovative Brillen mit Schutzfiltern und Hörgeräte mit smarter Technik helfen, die Schwächen weitgehend zu mindern. Ein Überblick.

Drei Affen-Skulpturen, die sich die Augen, die Ohren oder den Mund zuhalten

Obwohl die Zahl der Zivilisationskrankheiten steigt, leben nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2014/2016 neugeborene Jungen heute durchschnittlich 78 Jahre, Mädchen im Mittel 83 Jahre. Damit werden die Menschen in Deutschland heute doppelt so alt wie vor 130 Jahren. Und sie leben besser: Mit 50 Jahren sind sie meist noch topfit, so mancher 80-Jährige wandert den Jakobsweg oder läuft einen Marathon. Dennoch lassen sich Degenerationserscheinungen nicht aufhalten, etwa dreieinhalb Millionen Menschen tragen heute ein Hörgerät, circa 44 Millionen eine Brille. Dabei sind erstere eher unbeliebt: nicht nur, dass ihnen das Image von Gebrechlichkeit anhaftet, sondern sie gelten auch als störend und wenig hilfreich, und das, obwohl sie immer kleiner, leichter und leistungsstärker werden. 

Hörgeräte können sowohl hinter als auch im Ohr getragen werden. Erstere sind beliebter, weil sie größer sein können und mehr Platz bieten für Sensoren, Chips, Mikrofone und Lautsprecher. Dabei werden sie laufend in ihrem Aussehen, ihrem Gewicht und ihrer Leistungsfähigkeit verbessert. Hightech-Hörgeräte werden heute zum Beispiel nicht mehr manuell auf verschiedene Hörsituationen eingestellt, sondern das Gerät selbst stellt sich automatisch auf bis zu acht Situationen um. Forscher arbeiten auch daran, die Hörhilfe mit den Gehirnströmen zu verbinden, sodass das Gerät der Aufmerksamkeit des Hörers folgen kann. Eine andere Variante sind implantierbare Geräte, die den Gehörgang frei lassen und vor allem bei Menschen eingesetzt werden, bei denen konventionelle Hörhilfen nicht nützen. Diese Cochlea-Implantate wandeln Schall in elektrische Impulse um und stimulieren den Hörnerv, sodass dieser Töne wahrnehmen kann. 

Mikrofone, Sensoren und Lautsprecher

Eine Hörschwäche besteht in der Regel ab 25 Dezibel, wenn Betroffene Blätterrauschen oder das Ticken einer Uhr nicht mehr hören können. Da das Gehirn erst lernen muss, die Übertragung von Geräuschen durch das Hörgerät richtig zu erkennen, sollten sich Betroffene so früh wie möglich an eine Hörhilfe gewöhnen. Experten raten, sich bei der Auswahl des richtigen Geräts viel Zeit zu lassen. Es sollten zwei, besser sogar drei verschiedene Modelle in beiden Ohren den ganzen Tag über im Alltag mit Sorgfalt und Geduld ausprobiert werden. Dabei sollte das jeweilige Gerät in verschiedenen Situationen auf die Probe gestellt und insbesondere auf Alltagstauglichkeit und Tragekomfort geachtet werden. Wer sich entschieden hat, muss Geduld aufbringen und mit einer Eingewöhnungszeit von mindestens einem halben Jahr rechnen, bis er das Gerät optimal nutzen kann. Wichtig ist hier konstantes Training, welches Hörgeräteakustiker oder Hersteller anbieten. Wer wirklich diszipliniert übt, kann so über viele Jahre das Hörvermögen gut erhalten.

Die Wichtigkeit dieser Übungen wird häufig unterschätzt. Denn Betroffene lernen nicht nur, ihr Gerät mit all seinen Funktionen richtig zu bedienen. Darüber hinaus kann ein regelmäßiges Training dem Gehirn helfen, manche der verlernten Geräusche wieder wahrzunehmen und zu interpretieren. Die Übungen finden in der Regel als Einzeltermine statt. Gruppentermine können zusätzlich hilfreich sein, damit die Teilnehmer sich über ihre Erfahrungen austauschen können. 

Regelmäßiges Training hilft auch dem Auge, unserem wichtigsten Sinnesorgan. Übungen wirken hier vor allem vorbeugend – das Beste ist es allerdings, vor allem für Kinder, zu viel Zeit vor dem Fernseher oder dem PC zu meiden. 

Künstliche Tränen als Tropfen oder Gel

Dieser Rat gilt auch für Erwachsene, der Bildschirm ermüdet das Auge und strengt es an. Die Folge sind nicht nur nachlassende Sehkraft, sondern häufig auch trockene, gereizte Augen. Sie werden rot, brennen, jucken und fühlen sich an, als wäre Sandpapier auf dem Augapfel. In diesem Fall klärt der Augenarzt, ob eine andere Erkrankung wie Rheuma oder Diabetes mellitus hinter den Symptomen steckt. Sind diese Auslöser ausgeschlossen, helfen in den meisten Fällen einfache Mittel: Der Auslöser für die Reizung sollte gemieden werden, bei PC-Arbeit sind Pausen ratsam. Zudem werden, je nach Schweregrad und Verträglichkeit, Tropfen und Gele ins Auge gegeben, die die fehlende oder schadhafte Tränenflüssigkeit ersetzen. Hat bereits der Entzündungsprozess im Augenlid begonnen, helfen Medikamente, die direkt einmassiert werden, damit sich die Produktion eigener Flüssigkeit wieder normalisiert.

Die richtige Brille ist das Beste, um die Augen zu schützen und zu stabilisieren. Optiker bieten heute innovative Modelle für jede spezifische Situation, in der wir leben. Speziell ausgerichtete Brillen werden für den Bedarf geschliffen, um die Augen möglichst zu entlasten, ob beim Autofahren, beim Lesen oder am Arbeitsplatz. Hier werden die Abstände genau vermessen, ein Blaulicht-Filter schützt vor Schäden an Linse oder Netzhaut. Am Ende gilt für das Sehen wie für das Hören: Trotz Beeinträchtigungen lässt es sich meistens heute sehr gut leben – auf die richtigen Hilfsmittel für jeden Einzelnen kommt es an.

Quellen: biha Bundesinnung der Hörakustik KdöR, 2018; Fördergemeinschaft Gutes Hören GmbH, 2018
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