Hörschaden

Lärm geht auf die Ohren

Von Svenja Runciman · 2016

In unserem Alltag sind wir heute lauteren Geräuschen ausgesetzt als jemals zuvor. Das bedeutet puren Stress für das Ohr, unser empfindlichstes Sinnesorgan. Ein einziger lauter Knall kann dem Gehör langfristige Schäden zufügen – aber auch weniger intensive und dafür andauernde oder häufige Lärmbelastung, beispielsweise durch Musik aus dem Kopfhörer, stellt ein Risiko dar.

Wenn wir etwas nicht sehen möchten, dann können wir die Augen schließen. Mit den Ohren funktioniert das nicht so einfach: Sie sind rund um die Uhr auf Empfang geschaltet. Im Alltag sind wir fast immer von Geräuschen umgeben und Lärm häufig schutzlos ausgeliefert, unser Gehör leidet darunter. Besonders impulshaltiger Schall, also der Wechsel von Ruhe und extremem Lärm, kann großen Schaden anrichten. Im Innenohr leiden dann die rund 20.000 Sinneshärchen, die den Schall in Nervenimpulse umwandeln und an das Gehirn weiterleiten. Bei zu großer Lärmbelastung kleben die sensiblen Härchen nicht nur aneinander, sondern brechen ab oder fallen aus, sodass keine Signale mehr ans Hirn weitergegeben werden können. Die Haarzellen unterliegen auch einem natürlichen Alterungsprozess: Durch die ständige Bewegung lässt ihre Funktion im Laufe des Lebens nach.

Eine mögliche Folge: Tinnitus

Bereits Geräusche ab 85 Dezibel können die Sinneszellen schädigen, wenn sie über längere Zeit auf das Ohr einwirken. Zum Vergleich: Der Lärmpegel auf einer befahrenen Straße beträgt etwa 80 Dezibel, ein Flugzeugtriebwerk verursacht eine Lautstärke von 120 Dezibel. Die Schmerzschwelle liegt bei 130 Dezibel. Ein Hörschaden sorgt meistens dafür, dass hohe Töne kaum oder gar nicht mehr wahrgenommen werden oder Dauer-Hörgeräusche wie Summen oder Ohrenpfeifen entstehen. In Deutschland leiden etwa drei Millionen Menschen unter einem chronischen Tinnitus, also einem dauerhaften Piepen im Ohr, für den als Ursachen neben Lärmschäden beispielsweise auch durch Stress verursachte Durchblutungsstörungen verantwortlich sein können. 

Das Gehör ausreichend schützen

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Harvard Medical School Eaton-Peabody Laboratories zeigt, dass auch Kopfhörer zu dauerhaften Hörschäden führen können – vor allem Modelle, die in das Ohr eingesetzt werden. Selbst bei niedriger Lautstärke können diese sogenannten In-Ear-Modelle dafür sorgen, dass große Teile der Nervenfasern im Innenohr zerstört werden, da sie schädliche Wellen direkt in die Hörschnecke (Cochlea) senden. Zwar wird dadurch die Fähigkeit, Töne zu erkennen, in einer ruhigen Umgebung nicht beeinträchtigt, doch sobald Hintergrundgeräusche dazu kommen, sinkt das Hörvermögen drastisch. Die Wissenschaftler raten deshalb zu auf dem Ohr aufliegenden Kopfhörern. Fazit: Um Tinnitus oder andere Hörschäden zu vermeiden, sollte das Gehör bei Lärmbelastung immer ausreichend geschützt werden – zum Beispiel mit Ohrstöpseln oder einem professionellen Gehörschutz.

Quelle: www.fluglärm-portalb.de