Hörgeräte

Von der beigen Prothese zum smarten Lifestyle-Objekt

Von Frank Wagner · 2016

Hörgeräte sind deutlich unbeliebter als Brillen. Das könnte sich schon bald ändern: Denn die Geräte werden immer kleiner, leistungsfähiger und bieten intelligente Features. Und dabei sehen sie auch noch immer besser aus. Grund zur Freude für über zwei Millionen Hörgeräteträger in Deutschland und alle, die schon jetzt oder in Zukunˆft eines brauchen könnten.

Das falsche Bild der unattraktiven und überdies schlecht funktionierenden Prothese „Hörgerät“ hält sich beharrlich. Wohl ein Hauptgrund, warum laut Statistik aktuell mindestens zwölf Millionen Deutsche, die deutlich hörgemindert sind, auf ein Hörgerät verzichten. Die soziale Isolierung ist dabei nur eine der Gefahren. Bei unbehandelter Schwerhörigkeit bildet sich auch der unterforderte Hörnerv zurück, und laut amerikanischer Studien droht sogar ein vierfach höheres Demenzrisiko. Dabei sind Hörgeräte heute längst erstaunlich kleine, angenehm designte Hightech-Objekte. Die meisten werden unauffällig hinter dem Ohr oder – praktisch unsichtbar – direkt im Ohr getragen. 

Viel Innovation in der Hörgeräteakustik

Zudem hat sich gerade in den vergangenen Monaten praktisch bei allen Geräteformen noch einmal enorm viel getan. Vor allem die allgemeine Entwicklung im Bereich der Chip-Technologie oder die Möglichkeit per Internet, WLAN und Bluetooth alles und jeden jederzeit miteinander zu vernetzen, wird zum zusätzlichen Argument für das Hörgerät. Es wird stets alltäglicher, durch einen „Knopf im Ohr“ drahtlos Signale zu erhalten. Quasi auf dem Trittbrett einer allgemeinen Entwicklung entsteht so ein zusätzlicher Nutzen über das wiederhergestellte Hören hinaus, wenn direkt Sprache, Musik oder Videotöne empfangen werden können. Die Steuerung des drahtlos vernetzten Geräts erfolgt vorzugsweise über eine Smar­tphone-App. Lautstärke, Klangbild und vieles mehr können so jederzeit kon­trolliert und individuell der Umgebung angepasst werden. Hörbilder können gespeichert und später erneut aufgerufen werden.

Mehr Freiheit im Alltag durch grenzenloses Hören

Grundsätzlich sind viele neue Geräte nun deutlich besser in der Lage, realistisches räumliches Hören über das Prinzip der offenen Klanglandschaft zu simulieren und individuell auszusteuern – zum Beispiel bei einer Unterhaltung mit mehreren Personen. Auch die stets zu kurze Lebensdauer der naturgemäß kleinen Batterien wird bald der Vergangenheit angehören. Zum neuen Standard werden hier wiederaufladbare Li-Ionen-Akkus. Noch nie war es leichter, sein Hörproblem in den Griff zu bekommen: Ein guter Zeitpunkt also, sich nicht mehr länger damit abzufinden und endlich den Weg zum Hörgeräteakustiker anzutreten, zumal auch die Zuzahlungen der gesetzlichen Kassen sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben.